Lehrformate Constance Richter
 
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Das Demonstrationsprinzip

Multimediale Lerneinheiten, die Fertigkeiten vermitteln, sollten die jeweilige Fertigkeit beispielhaft vorführen.

„It´s convential wisdom that the best way to build skills is practice – and lots of it!“
(Clark, Nguyen & Sweller, 2006, S. 189)

Praktische Übungen sind teuer und der Aufwand, Lernende während der Übungen zu betreuen, ist immens. Clark, Nguyen und Sweller (2006) empfehlen, praktische Übungen durch dynamische und interaktive Demonstrationen (worked-out examples, completion examples) zu ersetzen und damit das Lernen effektiver und effizienter zu gestalten. Eine Demonstration (worked-out example) ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die zeigt, wie eine Aufgabe erfüllt oder ein Problem gelöst wird. Sie bestehen aus einer Problemformulierung, den einzelnen Lösungsschritten und letztendlich der eigentlichen Lösung und sind besonders dann effizient, wenn sie in Serien angeboten werden (Renkl, 2005; Sweller & Cooper 1985).

Ein großer Vorteil von Demonstrationen ist, dass Lernende diese anderen Lerninhalten vorziehen (LeFevre & Dixon, 1986). Gerade Anfänger können sich beim Lernen mit Demonstrationen auf das Verstehen des Lerninhaltes konzentrieren. Da sie kein Vorwissen haben, können sie keine domain- oder fachspezifischen Problemlösungsprozeduren anwenden und sind noch nicht in der Lage, bedeutungsvolle Ketten und Strukturen aufzubauen. In Demonstrationen werden Prozeduren parallel zum Inhalt vermittelt (Renkl et al., 2003).

Renkl (2005) empfiehlt in Lernprogrammen nicht nur eine Demonstration zu integrieren, sondern eine ganze Serie an Demonstrationen. Beispielsweise beginnt eine Lektion mit einer komplett ausgearbeiteten Demonstration, die dem Lernenden eine mentale Repräsentation bereitstellt. In den anschließenden Demonstrationen muss der Lernende mehr und mehr selbst tun, um letztendlich zur Lösung zu gelangen. Am Ende der Lektion muss der Lernende ein Problem komplett selbst lösen.

Empirische Studien von Renkl belegen, dass Demonstrationen mit Lerneraktivitäten wie beispielsweise
HTML Selbsterklärungen besonders lerneffektiv sind. Dabei sollten die Lernenden mit Instruktionen unterstützt werden. Die Effektivität der Demonstrationen lässt mit steigender Kompetenz und Expertise der Lernenden nach. Beispielsweise können Anfänger keine Programmierer werden, indem Sie nur Programmcode studieren (Renkl, 2005). Fortgeschrittene Lernende sollten Probleme selbst lösen (Kalyuga, Ayres, Chandler & Sweller, 2003).

Empirische Studien

Sweller und Cooper (1985) führten als erste empirische Tests durch, um zu zeigen, dass Demonstrationen durchaus praktische Erfahrungen ersetzen und dennoch den gleichen oder gar besseren Lernerfolg erzielen können. In ihrer Studie sollte Gruppe A acht Algebraaufgaben selbstständig lösen. Gruppe B bekam zunächst eine Lösung der Aufgabe vorgeführt und musste danach eine Aufgabe selbst lösen. Diese Kombination wurde viermal wiederholt, so dass auch die zweite Gruppe sich insgesamt mit acht Aufgaben beschäftigte, aber nur vier davon selbst löste. In einem anschließenden Transfertest sollten alle Probanden selbstständig sechs neue Algebraaufgaben lösen. Gruppe A brauchte sowohl für das Training als auch für den anschließenden Test deutlich länger und machte weitaus mehr Fehler als Gruppe B.

Paas et al. (2005) verglich in seiner Studie drei verschiedene Lektionen: (1) Arbeitsaufgaben, (2) Demonstrationen und zwei Anwendungsaufgaben und (3) vom Lernenden zu vervollständigende Demonstrationen und zwei Anwendungsaufgaben. Die Probanden der Gruppe (1) benötigten am längsten, lernten jedoch am wenigsten. Die Probanden der Gruppen (2) und (3) unterschieden sich kaum. Die empirischen Studien zeigen, dass es sinnvoll ist, Übungen und Problemlösungen mit Demonstrationen zu ergänzen, zum Teil auch durch Demonstrationen zu ersetzen.

Letzte Änderung 11.06.2009