Lehrformate Constance Richter
 
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Das Interaktivitätsprinzip

Akustisch oder visuell hervorgehobene Lerninhalte beeinflussen den Lernprozess positiv.

Die extrinsische kognitive Belastung des Lernenden kann reduziert werden, indem die Lernumgebung es dem Lernenden ermöglicht, das Tempo und die Abfolge der Präsentation zu kontrollieren und zu beeinflussen. Der Lernende kann so selbst bestimmen, wann er eine Information aufgenommen hat und bereit ist, die nächste zu verarbeiten. Weiterhin kann er sich dadurch nur gewünschte Teile einer Präsentation wiederholt anschauen (Mayer, 2005c; Mayer, 2006).

Empirische Studien

Mayer und Chandler (2001) entwickelten eine 140 sekundenlange Lerneinheit zum Thema „Wie entsteht ein Blitz“. Die Probandengruppe A schaute sich eine durchlaufende Präsentation zweimal an. Die Probandengruppe B erhielt eine in 16 Schritten á 10 Sekunden lang unterteilte Präsentation. Nach jedem Schritt erschien auf dem Bildschirm ein Weiter-Button. Erst nachdem der Lernende den Button geklickt hatte, erschien der nächste Schritt. Auch Gruppe B schaute sich die Präsentation zweimal an. Anschließend verglichen Mayer und Chandler die Transferergebnisse. Gruppe B erzielte deutlich bessere Transferleistungen als Probandengruppe A (Effektgröße 1,13).

Mayer, Dow und Mayer (2003) entwickelten ein Simulationsspiel über elektrische Motoren. Ein pädagogischer Agent namens Dr. Phyz präsentierte den Lernstoff. In einer Version A schauten sich die Lernenden eine durchgehende Animation über die Funktionsweise eines elektrischen Motors an. Version B enthielt eine in Fragen unterteilte Animation. Sobald eine Testperson eine der Fragen klickte, sprang die Animation an die entsprechende Stelle. Dr. Phyz beantwortete die Frage und der Lernende konnte die nächste Frage auswählen. Die Lernenden, die sich Version B anschauten, erzielten deutlich bessere Transferergebnisse als die Lernenden, die sich mit Version A lernten (Effektgröße 0,9).

Beide Studien belegen, dass Menschen bessere Lernergebnisse erzielen, wenn sie das Tempo oder die Abfolge des Lerninhaltes selbst kontrollieren können.

Letzte Änderung 11.06.2009