Lehrformate Constance Richter
 
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Das Multimediaprinzip

Die Kombination von Text und Grafik ist besser als Text allein.

Das Prinzip der dualen Kodierung klingt zunächst trivial und gilt als selbstverständlich. Die HTML Studie zeigt, dass die Lehrenden durchaus verschiedene Darstellungsformen zur Visualisierung einsetzen. Unter 40 Prozent der präsentierten Materialien sind textbasiert, wobei hier nicht ausschließlich von reinen Fließtexten gesprochen werden kann, sondern durchaus auch von visualisierten Texten (Aufzählungen, nummerierte Listen, verschiedene Schriftfarben, Schriftlagen oder Schriftschnitte etc.).

Zu welchen Anteilen nutzen die Lehrenden die Darstellungsformen?

Zu welchen Anteilen nutzen die Lehrenden die Darstellungsformen?

In diesem Prinzip geht es jedoch nicht nur lediglich darum, Texte zu visualisieren oder mit Bildern anzureichern – vielmehr geht es darum, sie sinnvoll einzusetzen und miteinander zu kombinieren (Niegemann et al., 2004). Lehrende setzen Visualisierungen oft intuitiv ein. Daher sind die Visualisierungen nicht immer lernwirksam (vgl. Niegemann et al., 2004, S. 194). Bilder und Grafiken sind u. a. dann lernwirksam, wenn sie

  • ein Thema organisieren (Inhaltsübersichten, Beziehungen zwischen Themen),
  • nicht sichtbare Beziehungen sichtbar machen (Diagramme, Tabellen) oder
  • eine Schnittstelle zur Aufgabe bilden (interaktive Anwendungen, Simulationen).

Empirische Studien

In zehn verschiedenen Studien konnten Forscher belegen, dass Studierende in Text-Bildkombinationen oder mit Sprechertext vertonten Animationen bessere Testergebnisse erzielten als in reinen Textversionen oder unvertonten Animationen (Clark & Mayer, 2003). Die Probanden beschäftigten sich mit naturwissenschaftlichen und mechanischen Prozessen und Vorgängen: Blitzentstehung, Funktionsweise der Bremsen im Auto, Funktionsweise einer Luftpumpe und der Funktionsweise von elektrischen Generatoren. Im Beispiel „Wie funktioniert eine Luftpumpe“ erhielt eine Probandengruppe einen Text, die zweite Probandengruppe den identischen Text mit einer zusätzlichen beschrifteten schematischen Zeichnung einer Luftpumpe. In allen zehn Studien erreichten die Studierenden, die mit einer multimedial aufbereiteten Lektion mit Wörtern und Bildern lernten (Gruppe B), bessere Ergebnisse in einem anschließenden Transfertest als die Studierenden, die die gleiche Information lediglich in Worten erhielt (Gruppe A). Die Studierenden der Gruppe B erreichten zwischen 55 und 121 Prozent mehr Behaltens- und Transferleistungen. Dies entspricht einem Medianwert von 89 Prozent und einer Effektgröße von 1,51 (vgl. Clark & Mayer, 2003).

Letzte Änderung 11.06.2009